|
"Kindern Dinge zu erklären, ist ... keine leichte Angelegenheit. Dagegen ist es leicht, die Dinge unmittelbar vorzuführen, sie zu erläutern und schließlich zu benennen. Anders ausgedrückt: da wir mit ihnen noch nicht sprechen können, so möge die Natur selber sprechen und sich ihren Augen und Ohren, ihren Zungen und Händen einprägen" Häufig sind begriffliche Vorstellungen über "Korrekturen" inhaltlich damit verbunden, dass der Korrigierende dem Lernenden sagt, dass er einen "Fehler" gemacht hat. Wäre dies aber in frühen Spracherwerbsprozessen der Fall, würde das ein- bis vierjährige Kind zwangsläufig die Lust am sprachlichen Kommunizieren verlieren. Mütter und Väter wissen dies intuitiv. Offensichtlich lernt aber gerade das Kind seine Muttersprache so schnell, weil es durch die Kompetenzzuschreibung Akzeptanz für seine Art, sich kommunikativ zu äußern, ständig erlebt, auch dann, wenn seine Sprachäußerungen noch nicht den Normen der Umgebungssprache entsprechen. In elterlichen Dialogbeiträgen sind aber bestimmte Verhaltensweisen (Sprechhandlungen) erkennbar, die die Funktion einer Korrektur haben. Sie können auf verschiedene Komponenten der kindlichen Sprache gerichtet sein und eine implizite (nicht vordergründige) oder explizite (ausdrückliche, offensichtliche) Form aufweisen. In den nachfolgenden Beispielen sind Korrekturdialoge bei einem Kind im Alter von etwa 3 Jahren dargestellt. Weitere Dialoge mit den verschiedenen Korrekturformen können über den Dialogbetrachter angesehen werden (hier müssen Sie jedoch in Ihrem Browser Javascript aktiviert haben).
In diesem Dialog mit einer grammatischen Korrektur (Pluralbildung) erhält das Kind eine adäquate Modellstruktur, indem die Mutter das Kind wiederholt. Dabei bietet sie mehr beiläufig die grammatisch richtige Struktur für die Ausdrucksabsicht des Kindes an, nämlich auf viele Fahrräder hinzuweisen.
In dieser phonetischen (oder Lautbildungs-) Korrektur geht die Mutter direkter vor: sie verweist auf die richtige Aussprache ("heißt das"). Das machen Mütter jedoch erst dann, wenn sie wissen, dass die korrekte Aussprache für dieses Wort eigentlich schon möglich wäre.
Die Mutter wiederholt die kindliche Äußerung, hat jedoch aufgrund der Zeigegeste (kreisen auf Kühen) entnommen, dass das Kind nicht nur auf eine Kuh Bezug nimmt. Deshalb bietet sie dafür die korrekte Pluralform an. Dabei hebt sie ihr Wort durch Dehnung hervor.
In diesem Dialog wird die Korrekturkomponente in einer Bestätigung ganz "versteckt" übermittelt. Das Kind erhält eine ausdrückliche Bestätigung seiner Äußerung, die jedoch lautlich korrekt übermittelt wird. Diese Form der "versteckten Korrektur" scheint eine entscheidende Bedeutung für den Spracherwerb zu haben, da das Kind primär erfährt, dass sein Dialogbeitrag als vollwertiger Kommunikationsbeitrag akzeptiert (bestätigt) und sogar inhaltlich noch erweitert wird.
Hier korrigiert die Mutter implizit durch Rückfragen. Nicht das richtige Artikulieren, sondern das Meinen wird vordergründig geklärt. Langjährige Dialoganalysen haben ergeben, dass Mütter nur selten und wenn, dann erst in fortgeschritteneren Entwicklungsphasen beim Korrigieren ausdrücklich dem Kind den Fehlercharakter seiner Äußerung mitteilen. Folgende Korrekturarten können beobachtet werden: In dem nachfolgenden Dialogbetrachter sind folgende verschiedene Korrektur-Dialoge dargestellt: Dialoge 1, 2, 3, 4 : semantische Korrekturen Dialoge 5, 6: Lautbildungskorrekturen Dialog 7: grammatische Korrektur Dialoge 8, 9: Wortbildungskorrekturen Zum Anfang dieser Seite
Diese Seite ist Bestandteil des Informationsangebotes "Die
frühe
Sprachentwicklung des Kindes"
|